Von Marie Lang

Tinkturen, FECO und warum Hochkonzentrat nicht immer sinnvoll ist

Tinkturen, FECO und warum Hochkonzentrat nicht immer sinnvoll ist

Cannabis-Tinkturen sind für mich eine Möglichkeit, wirklich das Maximum aus dem Material herauszuholen – egal ob ich am Ende einfache Tropfen möchte oder ein ultrakonzentriertes FECO für Edibles, Gummis und mehr.

Bevor ich überhaupt extrahiere, aktiviere ich mein Pflanzenmaterial durch eine kontrollierte Decarboxylierung. Ohne diesen Schritt wäre die spätere Wirkung deutlich schwächer.

Ich arbeite im Grunde mit zwei Wegen.
Entweder mit einer klassischen Alkoholtinktur mit längerer Ziehzeit. Das eignet sich gut für Tropfen oder eine einfache Alltagsanwendung.

Oder mit einer kurzen, eiskalten Ethanolextraktion, wenn ich es schnell, sauber und maximal potent möchte. Diese Methode ist die Basis für das, was später mein FECO wird.

Ganz wichtig: Hochprozentiger Alkohol ist extrem leicht entzündlich. Die Dämpfe sind ebenfalls hoch entzündlich und können sich schon durch kleine Funken oder offene Flammen entzünden. Das Eindampfen darf niemals auf einem Gasherd oder in der Nähe von Zigaretten, Kerzen oder anderen Hitzequellen passieren. Gute Belüftung ist Pflicht. Im Zweifel sollte so etwas gar nicht in Innenräumen gemacht werden. Sicherheit geht hier immer vor Potenz.

Aus der fertigen Tinktur entsteht durch vorsichtiges Eindampfen ein dickes, sirupartiges Vollextrakt – FECO. Dabei achte ich auf kontrollierte Temperaturen, Abstand zu Zündquellen und möglichst wenig Verlust. Je sauberer dieser Schritt, desto besser lässt sich das Konzentrat später dosieren und weiterverarbeiten.

Ist das FECO fertig, verbinde ich es mit passenden Trägern wie MCT- oder Kokosöl für Tropfen, Kapseln oder Backrezepte. Wenn es alkoholfrei werden soll, arbeite ich über einen Zwischenschritt mit Öl auch mit Glycerin (wobei es auch wunderbare Glycerintinkturen gibt, die man von Anfang an direkt mit Glycerin herstellt). Von dort aus geht es weiter in Kuchen, Brownies oder Gummibärchen – immer mit genau berechneten Milligramm pro Portion.

Warum ich trotzdem sage, dass FECO nicht immer ratsam ist, hat mehrere Gründe. Es ist extrem hoch konzentriert. Wenn ich aus 30 g Blüten am Ende nur wenige Gramm Extrakt ziehe, sprechen wir schnell von mehreren tausend Milligramm Gesamtwirkstoff in einer winzigen Menge.

Wird so ein Konzentrat in Cookies oder andere Süßwaren eingearbeitet, schmeckt man oft kaum noch Cannabis. Für viele Menschen fühlt sich das harmlos an. Sie können sich nicht vorstellen, wie stark diese Portion tatsächlich ist. Die Gefahr einer Überdosierung steigt deutlich, weil der geschmackliche Hinweis fehlt.

Dazu kommt, dass manche misstrauisch werden, wenn sie keinen typischen Canna-Butter-Geschmack wahrnehmen. Ohne dieses Aroma wirkt das Produkt für einige fast synthetisch, obwohl es das nicht ist.